Kirchenchor St. Peter und Paul

Chorleiter

1945-1950Dr. Hieronimi
1950-1952Bernard Arntz
1952-1973Heinrich Thuy senior
Seit 1973Heinrich Thuy junior

Dr. Hieronimi

Dr. Hieronimi

Der erste Chorleiter des neu gegründeten Kirchenchores wurde 1904 in Wuppertal-Elbersfeld geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Bonn, wo er auch die allgemeine Hochschulreife absolvierte, um anschließend in Innsbruck Theologie und Philosophie zu studieren. Nach Promotion in Philosophie legte er noch eine Ausbildung für den höheren Schuldienst in Religion, Latein und Französisch ab. Seit 1932 war er Lehrer an der höheren Knaben- und Mädchenschule in Camberg, deren provisorische Leitung er von 1937 bis 1939 inne hatte, bis die Schule in eine städtische Mittelschule umgewandelt wurde.

Mit seiner Frau und den sechs Kindern wohnte er in einer Dienstwohnung auf dem Schulgelände. Ab 1940 wurde er eingezogen und arbeitete als Dolmetscher in Frankreich. Gegen Kriegsende wurde Hieronimie verwundet und konnte dennoch in einer abenteuerlichen Flucht aus einem Lazarettzug fliehen und am traf am 11.07.1945 wieder in Camberg ein. Nach Wiedereinstellung in den Schuldienst arbeitete er, bis zu seiner selbst gewünschten Versetzung nach Bonn, in der örtlichen Mittelschule. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1969 wirkte er als Realschullehrer. In den Jahren seines Ruhestandes lebte er mit seiner Frau bei der Familie seiner Tochter Suse in Bonn-Godesberg, wo er 1989 im Alter von 85 starb.

Mit Herrn Pfarrer Staat hatte Dr. Hieronimie in seiner Camberger Zeit manchen Streit ausgefochten, da er darauf bestand, dass die Kommunion erst dann ausgeteilt wurde, wenn der Zelebrant selbst die Kommunion gefeiert hatte – in Camberg fing der Kaplan mit dem Austeilen nämlich schon unmittelbar nach der Wandlung an – dann erst ging Dr. Hieronimi zur Kommunionbank. So musste der Kaplan notfalls noch mal zurückkommen, zu dem einsamen Aufrechten, was den Pfarrer nicht schlecht ärgerte und die anwesenden Hieronimi-Kinder schrecklich genierte.

Das Verhältnis zum Pfarrer war also durchaus nicht immer so harmonisch, wie es in den kurzen Tagebuchtexten den Anschein hat. Dr. Hieronimi hat sich wohl eher gewundert, als der Pfarrer ihm die Kirchenchorleitung antrug.

Er selbst nahm Querelen stets mit Humor und konnte auch heiklen Situationen noch komische Seiten abgewinnen. So wird erzählt, dass er während der Nazi-Zeit morgens grimmig in die Klasse marschierte und martialisch brüllte: „Ricarda Huch!!!“, wobei er den Arm hochriss wie zu dem vorgeschriebenen „Deutschen Gruß“. Ricarda Huch war eine damals in der Schule viel gelesene Schriftstellerin, der Name den Schülern wohlbekannt.

Dass „Dr. Hie“ ein begeisterter Musiker war, wird seinen ehemaligen Schülern und Kirchenchoristen noch gut in Erinnerung sein. Er spielte hervorragend Klavier, auch Orgel und Gitarre, hatte eine schöne Singstimme und brachte, wo immer er sich aufhielt, Musikensembles zusammen. Nach dem Krieg hatte er u.a. mit Lehrer Helmut Heil und seiner späteren Frau ein Gesangsquartett.

Weniger bekannt dürfte seine zweite große Leidenschaft, das Wandern, gewesen sein. Er kannte die Camberger Umgebung, den Taunus, den Lahnkreis und den Westerwald wie seine Westentasche und hat sich später von Bonn aus Eifel, Hunsrück und Sauerland ebenso, bis ins hohe Alter, erwandert.

Bernard Arntz

Bernard Arntz

Bernard Arntz wurde am 31.03.1883 im Ruhrgebiet geboren. Nach Abitur und Studium war er in seiner Heimat als Rektor, Leiter einer Volksschule in Duisburg-Meiderich tätig. Durch sein großes, musikalisches Talent war er u.a. als exzellenter Pianist klassischer Musik, als Klavierlehrer und als Kirchenorganist bekannt. Durch einen Bombenangriff im Jahre 1943 wurde sein Haus völlig zerstört und so kam er durch die Vermittlung von Verwandten seiner Frau aus Oberselters nach Camberg, der langjährigen Wirkungsstätte seines Schwiegersohns Dr. Pannenbecker.

Nachdem er in Camberg eine neue Heimat fand, übernahm er die vakante Rektorenstelle der Volksschule sowie im Jahre 1949, auf Bitten von Pfarrer Staat, die musikalische Leitung des Kirchenchores. Bis zum Jahre 1952, also gerade mal 3 Jahre, bekleidete er dieses Amt.

Heinrich Thuy sen.

Heinrich Thuy sen.

„Geprägt von einem tiefen Glauben und beseelt von der Liebe zur Musik“ – Mit diesem Satz lässt sich vielleicht am Besten nachvollziehen, auch für Menschen, die Ihn nicht kannten, welche Intention Heinrich Thuy als Kirchenmusiker hatte. Nicht nur, dass er jeden Gesangsfehler sofort hörte, spielte er außerdem ausgesprochen gut Klavier und wird von seinen Zeitgenossen als eleganter Dirigent beschrieben.

Heinrich Thuy wurde am 14.01.1910 als Sohn der Bürstenfabrikantenfamilie Adolf und Christine Thuy, geb. Stockmann in Camberg geboren. Nach Volks-, Mittel und Handelsschule erlernte er den Beruf des Kaufmanns. Gerüstet mit dieser Ausbildung trat er nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft im Jahre 1947 in die Firma seines Vaters ein, die er später auch übernehmen sollte.

Grundlage für seine Kirchenmusikalische Tätigkeit war zunächst sicherlich der Klavierunterricht bei Frl. Wilhelmine Lieber und nicht zuletzt die Verwurzelung mit dem Katholischen Glauben, den ihm besonders seine Eltern vermittelten.

Heinrich Thuy war in Camberg kein Unbekannter. So war er aktiver Turner und Mitglied der TG Camberg sowie Sänger im Caionochor und Männergesangverein. Auch in der Katholischen Pfarrgemeinde war er viele Jahre im Vorstand tätig. In der Fastnachtssession 1934 war er Prinz und führte als Heinrich I. durch die närrischen Wochen.

Am 08.02.1941 heiratete er die Cambergerin Gertud Stockmann. Aus dieser Ehe gehen fünf Kinder hervor.

Der lang gehegte Wunsch, die Aufführung der Krönungsmesse von W. A. Mozart konnte er sich und allen Beteiligten im Jahre 1970 mit großem Erfolg erfüllen.

Mit gerade nur 66 Jahren verstarb Heinrich Thuy am 04.09.1976 nach dreijähriger Krankheit und hinterließ eine große Lücke in seiner Familie, in Verein und Kirchengemeinde.

Heinrich Thuy jun.

Heinrich Thuy jun.

Unser jetziger Chorleiter Heinrich Thuy wurde am 7.8.1948 in Camberg geboren. Er ging in Camberg und Idstein bis zum Erreichen der mittleren Reife zur Schule. Danach besuchte er die Glasfachschule in Hadamar und absolvierte eine Ausbildung zum Glasschleifer. Im Anschluss daran leistete er seinen Militärdienst beim Bundesgrenzschutz und der Bundeswehr ab.

Da Heinrich aus einer sehr musikalischen Familie stammt und selbst auch begeisteter Musiker war, entschied er sich danach für ein Musik- und Sportstudium an der Fachhochschule Gießen in Fulda. Seit nunmehr 1975 ist er als Lehrer an der Musikschule in Idstein tätig, die er von 1977 bis 2004 auch leitete.

1973 übernahm Hein – wie er von vielen Bad Cambergern genannt wird – die Leitung des Kirchenchores, nachdem er seinen erkrankten Vater schon zuvor einige Male vertreten hatte. Bereits früher begleitete er den Chor, damals noch unter der Leitung von Heinrich Thuy sen., des Öfteren an der Orgel in der Kirche. Er absolvierte seine Organistenausbildung, teilweise bei Frau Prof. Rosalinde Haas-Krams und hat seit Oktober 1967 die Organistenstelle in Bad Camberg inne. Er war zeitweise für den Südwestfunk als Musikredakteur tätig und spielte über 40 Jahre als Gründungsmitglied und Bassist der Band „Stamps“. Heinrich ist in Bad Camberg und weit darüber hinaus nicht nur als Kirchenmusiker bekannt, sondern auch bei vielen anderen musikalischen Ereignissen und Veranstaltungen wie z.B. Fastnacht, „Jugend musiziert“ als Jurymitglied, Volksliedersingen usw. aktiv. Darüber hinaus leitet er neben dem Kirchenchor noch das Akkordeonorchester der Musikfreunde Idstein.

Wenn man an Heinrich Thuy denkt, fallen einem spontan zwei Dinge ein – die Musik und sein „kilometerweit“ zu hörendes, herzliches Lachen. Und vielleicht noch sein langes Haar, hieran haben sich allerdings alle längst gewöhnt.

Ein Grund, weshalb unsere Chormitglieder so gerne zur Chorprobe kommen ist unter anderem die lockere, unkomplizierte Art, mit der Heinrich die Proben und den Chor leitet. Hierbei lässt er auch gerne mal fünfe gerade sein und fährt nicht schlecht damit. Er schafft es, auf eine angenehme Weise Laien Musik näher zu bringen. Wenn der Sopran mal wieder mehr schwätzt als singt, der Alt beim Singen kaum zu hören ist, der Tenor dagegen mit schrillen Tönen die Trommelfelle zum Platzen bringt und der Bass noch singt, wenn der Rest längst fertig ist, dann ist das für Heinrich noch lange kein Grund, einen cholerischen Anfall zu bekommen. Er lacht dann nur und sagt „Lernt ihr das denn nie?“. Wird es ihm allerdings zu bunt (was lange dauert), kann auch er mal mit der Faust auf den Tisch hauen, oder aufs Klavier – ein lauter Schrei, und alle sitzen stramm und alles geht seinen gewohnten Weg weiter. Aber selbst wenn es ihm mal nicht so gut geht, macht er lieber einen Scherz und lacht über die Situation als gleich die Nerven zu verlieren.

Der Chor hofft also, dass uns Heinrich noch lange erhalten bleibt!