Kirchenchor St. Peter und Paul

Der Chor und die Fastnacht

Die Fastnacht, der Fasching oder der Karneval sind keine liturgischen Zeiten, rechnen nicht eigentlich zum kirchlichen Festjahr. Fastnacht ist aber ein Schwellenfest vor dem Aschermittwoch und ohne die nachfolgende Fastenzeit nicht denkbar. Und somit ist auch die Fastnacht des Chores seit vielen Jahren aus dem Jahresablauf der Choraktivitäten nicht mehr wegzudenken.

Als „fünfte Jahreszeit“ – nämlich neben dem Oster- und Weihnachtsfestkreis und den Zeiten im Jahreskreis gehört die Fastnacht in allen katholischen Ländern zum festen Bestandteil des  -nichtliturgischen- Festjahres. So hat sich im katholischen Camberg seit jeher eine Fastnachtstradition gebildet. Der CVC 1832 e.V. (Carnevalverein Camberg), der seit über 180 Jahren viele Kappensitzungen, Umzüge und sonstige närrische Veranstaltungen organisiert, ist nach wie vor das zentrale  Komitee der närrischen Tage in Camberg.

Doch neben vielen offiziellen, vom CVC organisierten Veranstaltungen hat sich über die Jahre eine neue Fastnachtstradition gebildet. Die „Chorfastnacht“.

So entwickelte sich in den 1950er Jahren eine erste Fastnachtstradition in den Räumlichkeiten die Bayrischen Hofs. Bei Familie Herboldsheimer wusste man sich gut aufgehoben und man konnte in den Anfangsjahren der Chorgemeinschaft in froher Runde die Fastnacht begehen.

Unzählige Reimvorträge und musikalische Darbietungen von den Mitgliedern machten erst die Fastnacht zu dem was sie ist.

Nachdem das Wirte-Ehepaar Herboldsheimer dem wohlverdienten Ruhestand entgegensah, musste ein neuer Pächter her, der auch schnell gefunden war. Die Jugoslawische Familie Stani übernahm nun die Bewirtung des Bayrischen Hofes und man freute sich, dass das Vereinslokal sowie auch die Chorfastnacht gerettet waren.

Chorfastnacht, 1977

Ende der 1980er Jahre gab auch Familie Stani die Tätigkeit im Bayrischen Hof auf und man musste sich schweren Herzens ein neues Vereinslokal und neue Räumlichkeiten für die Chorfastnacht suchen. Zunächst lag es nahe, das Pfarrheim zu nutzen. Dieser Vorschlag wurde auch in die Tat umgesetzt. Doch konnte man hier keine Bewirtung in Anspruch nehmen. Man war sozusagen „Selbstversorger“.

Der Chor wich in den Clubraum des Bürgerhauses aus. Als sich auch hier ein „Wirtswechsel“ abzeichnete, kam man schnell wieder zu dem Entschluss, das Pfarrheim für die närrischen Aktivitäten zu nutzen. So war und ist hierbei zwar viel Eigeninitiative gefragt, doch der Zuspruch bei Sängerinnen und Sängern und deren Familien und Freunden war groß.

Wenn „Großfastnacht“ anstand war mit dem Chor als aktive Gruppe  immer zu rechnen.

1977 trat eine Gruppe des Kirchenchores als „Kirchenmäuse“ auf den Plan und bereicherte den Umzug um eine weitere, kleine aber feine Fußgruppe.

Kirchenmäuse, 1977

Fünf Jahre später, 1982, bereiteten die „Prinzlichen Vorboten“, verkleidet als Engel und Heinrich Thuy als Petrus, das Feld für den damaligen Prinzen „Hermann Josef I.“ und seiner Cambergia.

Nach langer Durststrecke warben 1997 erneut die „armen Kirchenmäuse“ für die große Renovierung der altersschwachen Camberger Orgel.

Fünf Jahre später, im Februar 2002,  machten 30 Mitglieder des Chores als „Schwämme“ verkleidet auf das Hausschwammproblem in der Pfarrkirche von Camberg aufmerksam. Verstärkt wurde diese Gruppe von einem Nachbau der Camberger Pfarrkirche auf deren Dach zu lesen war „Ab und an haust hier der Schwamm“.

Großfastnacht 2002

Beim großen Fastnachtsumzug 2007 zog man als „Chorwurm“ durch die Straßen und stimmte fröhlich die „Schlager“ des Chores an. Auf dem farbenfrohen Wagen war zu lesen „Händels Halleluja, Mozarts Krönungsmesse – Transeamus von Schnabel nicht vergesse! Sie alle klingen wie ein Wurm im Ohr, die Schlager vom katholischen Kirchenchor!“

Chorwurm, 2007

Mit über 40 Teilnehmern war der Chor 2012 beim Umzug zur Großfastnacht dabei. Das Motto war diesmal „Engel“. Das Motiv des Wagens war unsere Orgel aus St. Peter & Paul, die natürlich – getreu der verrückten Zeit – noch bunt verändert wurde.

Großfastnacht 2012

Als „Singende Fische“ ging es 2017 schließlich mit der „Yellow Submarine“ auf Umzugstour.

Großfastnacht 2017

Auch bei den Handkarrenumzügen war und ist der Chor in der Regel mit einer Fußgruppe dabei.