Kirchenchor St. Peter und Paul

Sogar den Vögeln hat‘s gefallen

Heinrich Thuy gibt ein Open-Air-Konzert vor der Kreuzkapelle

Als Abschiedsgeschenk für seinen langjährigen Dirigenten Heinrich Thuy hatte der Kirchenchor St. Peter und Paul Bad Camberg ein Open-Air-Konzert mit der weltweit einzigartigen LKW-Orgel der Firma Hoffmann und Schindler aus Ostheim/Rhön arrangiert. Die limitierten Plätze waren nach Bekanntgabe des Veranstaltungstermins im Nu ausgebucht; eine der ersten Kulturveranstaltungen nach monatelangen Einschränkungen.

Bei herrlicher Abendsonne konnte Dominik Martin als Vorsitzender des Chores, der durch das Programm des Abends führte, 300 bestens gelaunte Zuhörerinnen und Zuhörer an der Kreuzkapelle begrüßen. Martin freute sich, „am schönsten Platz Bad Cambergs“ in so viele erwartungsvolle Gesichter zu blicken. Gewissermaßen habe man Heinrich Thuy seine eigene Idee geschenkt, denn dieser hatte einmal erwähnt, dass er gerne mit der Orgel auf dem LKW ein Konzert auf dem Bad Camberger Marktplatz geben würde.

Über weitere 70 Interessierte nutzten die Gelegenheit, der Musikaufführung per Livestream zu folgen. Wer dennoch das Konzert verpasst hat, kann es auch weiterhin auf You-Tube finden. 

Bei schönstem Wetter am schönsten Platz Bad Cambergs

Bevor er spielte, bedankte sich Heinrich Thuy bei seinem Kirchenchor, den er 45 Jahre leitete, für das Geschenk und die hervorragende Organisation. Sehr erfreut war er, viele Wegbegleiter, darunter auch den ehemaligen Gemeindereferenten der Pfarrei Alfred Michel, begrüßen zu können. 

Schon zu Beginn stellte Thuy schmunzelnd klar: „Ein Konzertprogramm gibt es nicht. Heute spiele ich nicht Bach oder Mozart, sondern nur Thuy“. Und schon erhoben sich mächtige Orgelklänge, die oft zu hören waren, wenn er festliche Gottesdienste in der Katholischen Pfarrkirche an hohen Feiertagen musikalisch untermalte. Es war sofort der vertraute Stil, der einmalige „Thuy- Klang“ zu hören – einfach unverwechselbar! Und sogar die vielen Vögel, die rund um die Kreuzkapelle ein zu Hause haben, stimmten durch ihren Gesang zu den Klängen der Orgel mit ein!

„Selbst an der Passauer Domorgel durfte ich spielen“

Nicht nur an der Orgel lief Thuy zu Hochform auf. Er gab zudem die schönsten Anekdoten aus seinem langen Organisten- und Musikerleben zum Besten:

So war es ihm 2003 vergönnt, an der Bachorgel in Arnstadt/Thüringen zu spielen, und darüber hinaus auch an anderen zahlreichen, berühmten Orgeln in Europa (z. B. Domorgeln in Passau und Oliva/Polen) zu musizieren.

Nicht nur klassische Orgelwerke waren zu hören. Wie könnte es anders sein, durften natürlich zwei Stücke seiner Lieblingsband „The Beatles“ nicht fehlen. In „Norwegian Wood“ gab es virtuos einen Abstecher zu „Chim Chim Cheree“ aus „Mary Poppins“ und „Yesterday“ inspirierte den ein oder anderen zum leise Mitsummen und erinnerte an viele musikalische und persönliche Erlebnisse mit Heinrich Thuy. 

Als Dirigent des Akkordeonorchesters der Musikfreunde Idstein kam Heinrich Thuy unter anderem auch nach Turku in Finnland. Hier lernte er den Organisten Marko Hakanpää kennen, der ihm erlaubte, auch in der dortigen Kirche Orgel zu spielen, ihn aber zuvor warnte, das 32-Fuß-Register nicht zu benutzen. Die Frage nach dem Warum war schnell geklärt: Das Register klang so schlecht, dass Hakanpää es zersägt hatte; die Holzstücke lagen noch hinter der Orgel. Zur Freude der beiden Musiker war ein Neues schon bestellt. Hakanpää ist auch Komponist, und von ihm war anschließend sein „Trumpet Tune“ zu hören, ein fröhliches und eingängiges Stück, dass wunderbar in die Stimmung dieses Sommerabends passte.

Heinrich Thuy am Spieltisch der einzigartigen Orgel

Leise rieselt der Schnee im Hochsommer

Als bekennender Freund von Volksmusik durfte ein Ausflug in dieses Genre auch nicht fehlen. Neben „Am Brunnen vor dem Tore“ und „Weißt du wieviel Sternlein stehen“, und nur um den an der Orgel befindlichen Zimbelstern einmal einzusetzen, spielte er bei hochsommerlichen Temperaturen und blauem Sommerhimmel das Weihnachtslied „Leise rieselt der Schnee“.

Zum Ende erläuterte Heinrich Thuy kurz die deutsche Tonleiter, sprach darüber, dass Johann Sebastian Bach aus seinem eigenen Nachnamen die Fuge mit dem Thema B A C H komponiert habe und improvisierte anschließend selbst grandios über dieses Thema. Seine Begeisterung darüber drückte das Publikum mit stehendem Beifall aus. 

Selbstverständlich konnte das Konzert nicht ohne Zugabe beendet werden. „Wie früher bei den Stamps“, kommentiere Thuy zum Abschluss und verabschiedete sich von zufriedenen Zuhörern mit „Die Forelle“ von Franz Schubert.

Dieses Konzert wird ein unvergessliches Erlebnis bleiben, so wie sein ganzes Musikerleben: Thuy zog immer buchstäblich alle Register, wie an der LKW-Orgel mit ihren 1.830 Pfeifen.

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